100 Jahre Freundschaft
Verein Freunde des Kunstmuseums Bern, Vorwort
Sabine Hahnloser Tschopp
Liebe Freundinnen und Freunde unseres Vereins
Seit hundert Jahren tragen Ihre Treue und Grosszügigkeit das Kunstmuseum Bern mit. Dies ist einmal mehr ein Anlass, Ihnen zu danken – und zwar hundert Mal!
Ich verneige mich vor allem auch vor jenen rund hundert Persönlichkeiten, die als Ehrenamtliche seit 1920 Zeit und Energie in unseren Verein investiert und ihr Herzblut für die Sache der Kunst engagiert haben. Es ist dieser Einsatz, der ein Museum lebendig hält. Sie alle haben sich freiwillig und unentgeltlich während unzähliger Stunden dem Wohle des Kunstmuseums Bern gewidmet – an ihrer Seite stets die Gönnerinnen und Gönner des Vereins, ohne die unsere Arbeit nicht denkbar wäre.
Der Begriff ehrenamtliche Arbeit drückt es treffend aus: Freiwillige setzen sich aus Interesse, Ehrgefühl und persönlicher Verpflichtung für das allgemeine Wohl ein, indem sie sich einer kulturellen und gesellschaftlichen Aufgabe widmen. Ehrenamtlich Tätige leisten einen aktiven Einsatz. Sie helfen mit, Ideale und Visionen zu verwirklichen. Sie haben mitgewirkt, das Museum zu dem zu machen, wases heute ist: eine lebendige Stätte der Kunst und Kultur, eine Begegnungsoase, die immer wieder neu zu inspirieren vermag. In diesen Räumen fanden in den vergangenen hundert Jahren weit über vierhundert exklusive Anlässe statt – eine Parforceleistung, die das Museum mit seinen eigenen finanziellen und personellen Ressourcen allein kaum geschafft hätte.
Wir leben heute in einer Zeit der Selbstdarstellung und Selbstinszenierung. Freiwilligenarbeit aber geschieht meist hinter den Kulissen – an oft langwierigen Sitzungen, in mühseliger Administration und Organisation. Doch alle jene, die mitmachen, verspüren diese Bereicherung und Genugtuung, an etwas Gemeinsamen und vielleicht auch Grossem teilzuhaben. Wir sind privilegiert, besonders in der Schweiz. Wir geniessen den Luxus der Freizeit. Diese Zeit der Kunst zu widmen, ist wertvoll und bereichernd im übertragenen Sinne.
Freiwilligenarbeit als Engagement für eine Sache gilt als heilsam und birgt unbestrittenermassen einen Glücksfaktor. Der Verein der Freunde Kunstmuseum Bern hat das Glück, weder den allgemein festgestellten Mangel an Bereitschaft zu ehrenamtlicher Tätigkeit noch einen Mitgliederschwund beklagen zu müssen. Unser Verein lebt, wächst und wandelt sich stetig. Dies zeigt: Kunst vermag noch immer zu faszinieren und hat nichts von ihrer herausragenden Bedeutung für die gesellschaftliche Entwicklung eingebüsst.
Und so sind wir auch besonders stolz auf den kontinuierlichen Aufbau unserer Sammlung: Über dreihundert Kunstwerke hat der Verein für das Kunstmuseum Bern erworben. Fokussiert wurde auf die bestehende öffentliche Sammlung: sie sollte ausgebaut und mit neuen Schwerpunkten versehen werden. So entstand als Ergänzung zur Sammlung des Kunstmuseums ein facettenreiches Kaleidoskop der Vereinsankäufe. Wir halfen Lücken zu schliessen, unbekannte jüngere Künstlerinnen und Künstler zu portieren – und ja, auch mal etwas ganz Verrücktes oder zum damaligen Zeitpunkt noch wenig Verstandenes anzuschaffen. Erinnert sei an das Gemälde Ad Parnassum von Paul Klee von 1932, das 1935 aus der Ausstellung in der Kunsthalle Bern erworben wurde. Der Ankauf war kühn und galt als «dreist», aber der Vorstand blieb gegenüber der Kritik standhaft. Er liess sich nicht beirren, auch weiterhin visionär einzukaufen. Heute wird Kunst nur noch selten als Skandal erlebt, doch die Suche nach «guter» Kunst regt immer wieder zu hitzigen Debatten an, und der Erwerbsprozess bleibt ein elektrisierendes Abenteuer.
Herzlich danken möchte ich allen Autorinnen und Autoren, die für diese Publikation einen Beitrag verfasst haben. Dazu gehören mein Vorgänger Dieter Baumann sowie Dr. Nina Zimmer, Direktorin Kunstmuseum Bern und Zentrum Paul Klee, und unsere ehemaligen Direktoren des Kunstmuseums Bern Dr. Matthias Frehner, Toni Stoos und Dr. Hans Christoph von Tavel, seit 1998 Ehrenmitglied des Vereins. Ein besonderer Dank geht an Professor Dr. Oskar Bätschmann für seinen Beitrag zu unserem Schlüsselwerk. Ein ganz spezieller Dank geht schliesslich an Marianne Wackernagel, Leiterin der graphischen Sammlung und Hauptkuratorin unserer Jubiläumsausstellung, und an Dr. Marie Therese Bätschmann für ihren Einsatz in der Planung der Ausstellung und als Herausgeberin des vorliegenden Bandes.
Kunst ist kein Pisa-Fach; umso mehr braucht es Vereine wie denunseren als Treffpunkt für Interessierte, die sich in das Gebiet vertiefen wollen. Ich winde deshalb allen Freiwilligen ein Kränzchen, die einen Treffpunkt wie diesen am Leben erhalten, und ich wünsche mir, dass sie dies auch in Zukunft tun werden. Ihnen, liebe Freunde, Gönnerinnen, Gönnern und Sponsoren danke ich von Herzen. Mögen dem Verein weitere hundert erfolgreiche Jahre beschert sei.
Sabine Hahnloser Tschopp
